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JOSE ALCOCER

How might we design social and economic systems where everyone can thrive within our planetary boundaries?

Our boundless growth-driven models of production, distribution and consumption, have created unparalleled societal progress, but have done so at the expense of the environment and without meeting everyone’s basic needs.

We will soon reach the 8 billion people milestone and it is evident that we are confronted with the challenge of truly embracing our responsibility over the future of our planet, in other words, embracing the Anthropocene.

The Anthropocene calls for new collective values and regenerative approaches to leverage our adaptive and creative capacity to redefine human progress as an embedded part of the Earth system.

Jose Alcocer is a Strategic Advisor and Entrepreneur working at the intersection of Business, Technology and Sustainability. He is Member of the Board of Fieldstations.

Christophe Barlieb

Should we fear our own era, or should we embrace it?

Scientists quantify earthquakes on the Richter scale, but to laymen they are quantified in Hiroshima bombs. If Earth is a manifestation of cosmic and geological formations on a universal timescale, then to laymen the Anthropocene does not scratch the surface. However, put into planetary scales and perspectives, it appears humans are “terraforming” their own planet, and are a new “geological force” to be reckoned with. How do we communicate this to laymen?

In the media and certain intellectual circles, the Anthropocene is portrayed as apocalyptic, making it difficult to grasp, identify and communicate. Should we fear our own era, or should we embrace it? Shaping our Time! suggests making the Anthropocene a planetary project involving ALL systems and beings of Earth.

Christophe Barlieb is an Architect and Researcher of Digital Media in Architecture. He is a Founding Member and President of Fieldstations.

Matthias Böttger

Anthropozän ist für manche ein „Buzzword“, welches sie schon nicht mehr hören können. Andere wiederum haben noch nie etwas davon gehört.

Auch unter den Architekten wird es solche und solche geben. Definiert als neues Zeitalter, in welchem die menschliche Existenz in geologischen Dimensionen Spuren hinterlässt die über seine bloße Biomasse hinausgehen. Anthropogener Klimawandel, Verschiebung der Zusammensetzung unsere Atmosphäre, Massenaussterben, Freisetzung künstlicher Elemente durch nukleare und chemische Prozesse werden messbar.

Gleichzeitig zeugt der Begriff Anthropozän von einer Gewissen Hybris, die den Menschen in den Mittelpunkt allen Geschehens bringt. Menschen streben aber auch auf anderen Gebieten nach Unsterblichkeit und somit Göttlichkeit – entweder durch medizinischen Fortschritt oder den Sprung in anorganische, künstliche Intelligenz.

Auf die Herausforderungen Anthropozän gibt es verschiedene Reaktionen. Erstens gibt die Skeptiker und die Verschwörungstheoretiker welche die Realität dieses Phänomens anzweifeln oder leugnen. Grundsätzlich ist Zweifel an so weit in die Zukunft reichender wissenschaftlicher Erkenntnis angebracht, aber angesichts der großen Mehrheit von Übereinstimmung in der Wissenschaft ist die Verweigerung mit sehr hohen Risiken verbunden. In anderen Bereichen würden Menschen schon bei einem Bruchteil der Eintrittswahrscheinlichkeit regieren und nach einem anderen Weg suchen.

Zweiten gibt es dann die, die Hoffnung auf technische Lösungen habe: Der Fortschritt hat in der Moderne noch jedes Problem gelöst und wir auch mit diesen Herausforderungen fertig. Mittels Geoengineering, Gendatenbanken und Wiederaufbereitung würde der Mensch endgültig zum gottgleichen Herrscher über diese Welt. Allerdings werden die kollateralen Schäden unbestreitbarer Fortschritte der Vergangenheit teilweise jetzt erst richtig sichtbar und eventuell entpuppt sich der Glaube an Wachstum und Fortschritt als Schneeballsystem.

Dann gibt es drittens gerade bei progressiven Denkern und Wissenschaftlern ein pessimistisches Aufgeben. Die Leitplanken sind gerissen und das Unheil droht auf so vielen Ebenen, dass es keinen Ausweg mehr gibt. Teilweise ist dieser Pessimismus auch mit der Vorstellung gepaart, das eine Chance bestünde, wenn man nur den Gedanken der Pessimisten folgen würde. Und da diese aber leider nicht der Fall ist, sei die Menschheit verdammt.

Leider besteht die Gefahr, dass die oft hoch informierten Pessimisten recht bekommen. Ein versuche wäre es aber Wert nach Auswegen zu suchen. Und es wird vermutlich nicht die eine Lösung geben und auf absehbare Zeit werden wir auch nicht aus der Schusslinie geraten, sondern es wird ein permanenter Tanz mit den Umständen sein. Und da dieser Tanz alle Menschen und auch die anderen Lebewesen betreffen wird, müssen sie alle beteiligt sein. Wie könnte ein demokratisches Handeln im Anthropozän auf globaler Ebene aussehen? Gibt es neben dem „Right to the City“, ein „Right to the Earth” mit Rechten und Pflichten?

Architekten und die ganze Baubranche als lösungsorientierte Praxis müssen ihr Vorgehensweise hinterfragen und eventuell nach neuen Businessmodelle suchen. Und die postmodernen Eliten dürfen sich vermutlich nicht länger aufs Fragen stellen zurückziehen, sondern sich auch die Hände schmutzig machen und mögliche Lösungen für Problem ausprobieren. Da die gebaute Umwelt ein wichtiger Teil des manifesten Anthropozäns ist, müssen sich Architektinnen und Architekten mit diesem Tanz auseinandersetzen und im DAZ am Y-Table diskutieren!

Matthias Böttger ist Architekt, Kurator und Professor an der Hochschule für Gestaltung und Kunst HKG FHNW in Basel und leitet dort das Institut HyperWerk für postindustrielles Design. Außerdem ist er künstlerischer Leiter des Deutschen Architektur Zentrum DAZ in Berlin. Er ist Vorstandsmitglied von Fieldstations.

Lidia Gasperoni

Angesichts der drängenden Fragen unserer Zeit sollte sich die Philosophie nicht mehr hinter ihrem Selbstverständnis als Praktik der Theorie und der Abstraktion verstecken, sondern sie sollte die vermeintlich unbedeutenden und lokalen Dinge in ihrem Wesen und Veränderungspotential aufgreifen und Menschen darin bestärken, sich zu fragen, wie sie ihre eigene Zeit konkret gestalten wollen.

  Der Begriff des Anthropozän hat sich in den letzten Jahren als Begriff für ein neues Zeitalter der Erde etabliert, in dem Menschen Mechanismen und Prozesse initiiert haben, die in einem so großen Maßstab wirken, dass Menschen von den Automatismen solcher Veränderungen überfordert sind und in wissenschaftliche Ohnmacht verfallen. Was ist dabei die Rolle der Philosophie, die an sich als Disziplin der allgemeinsten Begriffe gilt, wie geht sie mit dieser Größe um, um sie als etwas Greifbares und Veränderbares entfalten zu können? Angesichts der drängenden Fragen unserer Zeit sollte sich die Philosophie nicht mehr hinter ihrem Selbstverständnis als Praktik der Theorie und der Abstraktion verstecken, sondern sie sollte die vermeintlich unbedeutenden und lokalen Dinge in ihrem Wesen und Veränderungspotential aufgreifen und Menschen darin bestärken, sich zu fragen, wie sie ihre eigene Zeit konkret gestalten wollen. Die Wirkung der Reflexion als eine performative Haltung dem wahrnehmenden Denken gegenüber hat sich an der spezifischen Wirklichkeit jeder Gestaltung zu orientieren, in der Akteure lokal wirken und sich mit anderen vernetzen, um lokal, aber auf globaler Ebene agieren zu können. Denn lokale Situationen haben häufig eine Struktur, ein gewisses Gleichgewicht; und trotzdem sind es dynamische Systeme, die eine eigentümliche Permeabilität zulassen, sodass eine Verbindung, eine Integration und eine Kontamination mit anderen Akteuren auch dank der Entwicklung einer gemeinsamen Medialität möglich wird. Diese Wirkung auf eine lokale Situation ist bewusst verstrickt, sie ist nicht und kann nie neutral sein: Lokal zu agieren heißt immer, eine spezifische Perspektive einzunehmen, die zur Mitkonstitution der Umwelt beiträgt. Lokal zu agieren durch die Entwicklung einer Methode des Wahrnehmens, Begreifens und Gestaltens heißt also nicht die eigene Lokalität in bloß nostalgischem Rückzug als eigene Welt zu nivellieren. Im Gegenteil kann lokales Denken und Agieren bedeuten, sich der eigenen Gestaltungserfahrung in der Welt bewusst zu sein und an der Veränderung unserer Zeit mitzuarbeiten. Philosophie kann dabei mit einer systematischen Auslegung der kleinen Dinge generative und transformative Gestaltungsprozesse sichtbar machen, um weiterhin die Intervention als wesentlichen, genetischen Möglichkeitsraum unserer Zeit in den Vordergrund treten zu lassen.

Lidia Gasperoni ist Philosophin und forscht derzeit am Fachgebiet für Baukonstruktion und Entwerfen der TU Berlin zur Funktion ästhetischer Praktiken und Medien in Entwurfsprozessen. Sie ist Vorstandsmitglied von Fieldstations.

Eva Herr

Die Moderne war geprägt vom unerschütterlichen Glauben an die gestalterische Kraft des Menschen.

Ihre Protagonisten, Künstler, Architekten und Ingenieure, waren überzeugt davon, dass radikale Eingriffe die Gesellschaft maßgeblich zum Positiven ändern würden. Der Begriff des Anthropozän impliziert Ähnliches, jedoch mit anderem Fazit. Die gestaltende Kraft des Menschen ist demnach nicht mehr nur positiv-schöpferisch, sondern sie kann ebenso zerstörerisch sein.

Das erstmals von einem Geologen beschriebene Anthropozän – das Erdzeitalters des Menschen – ist ein Dilemma. Lösbar scheint es nur mit Hilfe gestaltender Disziplinen. Und vielleicht ist es gerade das, was seine Faszination ausmacht. Für Künstler, Architekten und Ingenieure impliziert die Idee des Anthropozän ein neues Selbstverständnis, neue Strategien, gestaltenden in die Umwelt einzugreifen und eine andere Perspektive auf die Zukunft. Es lohnt sich, gemeinsam und mit unerschiedlichen Disziplinen darüber zu diskutieren, wie diese Aufgabe angegangen werden kann.

Eva Herr ist Stadtplanerin und arbeitet als Leiterin des Fachamtes Stadt- und Landschaftsplanung im Bezirk Hamburg-Bergedorf. Sie ist Mitglied von Fieldstations.

Elisa Limberg

Klimawandel, industrieller Stoffwechsel, Verstädterung, Bodenerosion, Artensterben, Wachstum, Globalisierung, Grenzziehungen, Kampf der Kulturen, Krieg, Medienkrieg, Migration, Wirtschaftskrise, Beschleunigung, Rechtsruck, Individualisierung, Inklusions- und Exklusionsverfahren.

Diese Begriffe sind nur Ausschnitt dessen, was unsere Zeit prägt, die untrennbar mit den Auswirkungen des Handelns der Menschen verbunden ist. Und die von daher nicht nur im Sinne eines geologischen Terminus als Anthropozän bezeichnet werden kann, sondern ausweitend als ein Zeitalter in welchem die materiellen sowie soziokulturellen Spuren menschlichen Wirkens nicht mehr zu eliminieren oder ignorieren sind.

Wenn man die vielseitig formulierten Gedanken aufnimmt, dass Staaten und Räume und die Territorien, in denen sie sich befinden, gesellschaftlich produziert und reproduziert werden und diese Produktionen ständigen Wandlungsprozessen unterliegen, kann man das als Chance sehen die Welt, in der wir leben, nicht als gegeben anzunehmen und stattdessen den Versuch zu machen, sie in ihren Vernetzungen und in ihren Wandlungsprozessen zu verstehen und zu beeinflussen.

Als Teil von Fieldstations wünsche ich mir, dass wir uns auf die Suche machen nach Verständigung zwischen unvereinbaren Existenzweisen, Wahrheiten, Wertesystemen und Denkweisen, indem wir lokal, kollektiv, gleichberechtigt und kreative Räume produzieren, die Austausch, Verständnis, globale Interaktion und vor allem Gedanken über Mittel, Methoden und Sinne, mit denen wir der von uns gestalteten Welt begegnen können, fördern.

Elisa Limberg ist freiberufliche Bühnen- und Kostümbildnerin, absolviert parallel ein Zweitstudium an der Humboldt-Universität zu Berlin in Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas sowie Europäischer Ethnologie. Sie ist Mitglied von Fieldstations.

Isabell Schrickel

Gestaltung ist in der Moderne eine Möglichkeit und die Kultur- und Geschichtswissenschaften kennen sich mit den erstaunlichen Effekten des expliziten Designs von Objekten, Systemen, Verhalten und Umwelten bestens und seit langem kritisch aus – auch wenn nun hauptsächlich Naturwissenschaftler in mahnenden Tönen das neue Erdzeitalter des Anthropozäns ausrufen.

Den Wahrnehmungswandel, der den Beginn der Moderne markiert, hat der Historiker Reinhart Koselleck in den 1970er Jahren mit der griffigen Formel des Auseinandertretens des vormodernen Zusammenhangs von Erwartung und Erfahrung auf den Punkt gebracht: die vormoderne Welt des Glaubens und der Tradition wurde abgelöst von der geschichtlichen und zukunftsoffenen Welt der Moderne mit ihren politischen Hoffnungen und wissenschaftlichen Projekten. Die Modernen leben mit einem offenen und stets verschobenen Horizont an Erwartungen, sie schöpfen aus historischen Erfahrungen und gestalten Zukünfte. Gestaltung ist in der Moderne eine Möglichkeit und die Kultur- und Geschichtswissenschaften kennen sich mit den erstaunlichen Effekten des expliziten Designs von Objekten, Systemen, Verhalten und Umwelten bestens und seit langem kritisch aus – auch wenn nun hauptsächlich Naturwissenschaftler in mahnenden Tönen das neue Erdzeitalter des Anthropozäns ausrufen. In manchen Versionen des Anthropozäns scheint Gestaltung von der Möglichkeit zur Notwendigkeit zu werden – und zwar häufig in der Form von technologischen Fixes (geoengineering), industriellen Innovationen (IOT, e-mobility, genetic engineering) und technokratischer globaler Umweltgovernance (Paris Agreement, SDGs). All diese Bereiche gehören selbstverständlich differenziert. Aber es ist doch erstaunlich, dass angesichts der Radikalität der Anthropozän-Hypothese weiterhin vornehmlich im Modus der Moderne gestaltet werden soll: großskalig, top-down, wachstumsbasiert. Was haben die Ingenieure ökomodernistisch-nachhaltiger Zukünfte eigentlich aus der Geschichte gelernt? Ist es möglich, dass sie nunmehr aus den vielen Erwartungen, Szenarien, Simulationen schöpfen um einen sich stets verschiebenden Horizont von Erfahrungen zu kreieren? Das wäre eine dramatische Umkehrung der Moderne. Also reden wir über ihr Geschäftsmodell, ihre Designprinzipien und Gewissheiten und darüber, was wir auch schon ohne den Begriff des Anthropozäns längst hätten anders machen können.

Isabell Schrickel ist Wissenschaftshistorikerin und Doktorandin am Center for Global Sustainability and Cultural Transformation, einem gemeinsamen Projekt der Leuphana Universität und der Arizona State University. Sie ist Mitglied von Fieldstations.

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